Interviews
19. Mai 2007
Hannoversche Allgemeinen Zeitung
Kultur
Johanna Di Blasi
GESPRÄCH MIT GOTTFRIED HELNWEIN ANLÄSSLICH DER ERÖFFNUNG SEINES VIRTUAL MUSEUMS OF ART IN "SECOND LIFE"
Helnwein: "In gewissem Sinne ist ja jede Form visueller Kunst virtuell, also Illusion. René Magritte hat in seinem Gemälde "Der Verrat der Bilder" 1928 eine Pfeife dargestellt, unter die er auf Französisch "Dies ist keine Pfeife" schrieb. Und Picasso hat einmal gesagt: „Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen läßt“ Ich habe oft erlebt wie Ausstellungsbesucher äusserst emotional auf bestimmte Arbeiten von mir reagiert haben, und manchmal richtig ausgerastet sind. Es gab schon Leute, die zu toben begannen und mich oder die Bilder attakiert haben. Was eigentlich eigenartig ist, wenn man bedenkt, dass so ein Bild ja nur aus einem Stück Leinwand und ein paar winzigen Stäubchen Farbpigmenten besteht, die durch ein wenig Öl und Harz zusammengehalten werden. Was die Menschen in Bilder hinein interpretieren, spielt sich ja in Wahrheit nicht auf der Leinwand ab, sondern in ihren eigenen Köpfen. So gesehen ist diese neue Virtualität den alten Medien der bildenden Kunst nicht ganz unähnlich nur dass die Farbpigmente hier durch Pixel ersetzt werden."




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