Schon 1963 malten ein Künstlerkollege und ich uns die schaurige Zukunft eines freischaffenden Künstlers aus. Es ging bei dem Gespräch weniger um die Finanzen als um die Notwendigkeit des sich bis ins Tiefste Fallenlassenmüssens. Ich kam damals auf die Idee, so etwas wie ein »Konditionstraining für Genies« zu erfinden. Rückblickend muß ich sagen, daß ich ganz wenige Künstler kenne, die dieses imaginäre Trainingsprogramm durchgehalten haben. Einer von ihnen ist Gottfried HeInwein.
...Helnwein hält sich gern an diversen Grenzen auf. Was hier durch will, wird von Helnwein genau geprüft. Er ist wie Goya, einer der magischen Zöllner in der Kunst. (Rousseau dagegen hielt sich stets jenseits der Grenze auf, obwohl er von Beruf wirklich ein Zöllner war!)
Wer die Ebene der Kunst betreten will, muß die Realität verstehen und vermitteln können. Helnwein ist nicht nur Künstler, er ist auch der perfekte Umsetzer. Nicht am Beginn einer Arbeit soll die sogenannte Phantasie herumquirln, nein, erst im Moment des Umsetzens, im Moment der Metamorphose darf ihre Atomkraft frei werden.
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Wolfgang Bauer, Helnwein catalogue for "Apokalypse" exhibition 1999, Krems, Austria