Helnwein ( texte )
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Leopold-Hösch-Museum, Düren
Ausstellungskatalog
Dorothea Eimert
GOTTFRIED HELNWEIN
One man-show
Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.
Immer wieder konterveit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch.

Zur Ausstellung von Gottfried Helnwein
Dorothea Eimert, Direktorin des Leopold-Hösch-Museums, Düren

Die neuesten Bilder stellen einen Helnwein vor, der sich oft von der Eindeutigkeit des Realismus abgekehrt und einer feinnervig-abstrakten, monochrom - erzählerischen Formensprache zugewand hat. Das Verlassen der Heimatstadt Wien im Mai 1985 und die Übersiedlung an den Rhein nach Burgbrohl wirkt im Rückblick wie ein notwendig gewordener Akt der Befreiung, wie eine Abnabelung aus dem geistigen und gesellschaftlichen Eingebundensein, wie eine Sprengung des selbst konstruierten Eigen - Klischees.
In den neuen Bildern erprobt Helnwein mit virtuoser Leichtigkeit und handwerklicher Meisterschaft eine variationsreiche Palette unterschiedlicher Stilrichtungen und verschiedener Techniken. Fotografie steht neben Malerei oder Aquarell, Bunt-Foto neben Schwarz-Weiß-Foto und neben Malerei, Realistisches gesellt sich zu Abstraktem, Farbenfreude korrespondiert mit Monochromie. Zitate aus Politik und Malereigeschichte werden eingeflochten und kommentiert. Die Diptycha und Triptycha leben vom Dualismus, von Dynamik und Spannung.

Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.
Immer wieder konterveit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch.

Auch in den Zeichnungen Helnweins zeigt sich der Neubeginn. Erstmals stellt er vielfarbige Farbstrichzeichnungen vor. Der Strich ist wie ehedem flockig, sicher und schnell. Gitterartig sich überlagernde Strichelungen beschreiben eine tiefe Räumlichkeit und leuchtende Plastizität. Ungeheure Wärme und Innigkeit entströmt diesen intimen Kinderszenen.

Gottfried Helnwein : Leopold-Hoesch-Museum, Düren
Leopold-Hoesch-Museum, Düren 1987
"Gott der Untermenschen" (God of Sub-humans)
triptych, mixed media
One man show Gottfried Helnwein



Diese Ausstellung wurde vom 18.10 bis 23.11. 1986 im Mittelrhein-Museum und im Haus Metternich in Koblenz gezeigt,
vom 15.1. bis zum 28.2.1987 in der Galerie Würthle in Wien,
und als letzte Station im Leopold-Hoesch-Museum in Düren vom 29.3. bis 3.5.1987

Kuratoren
Kurt Eitelbach, Mittelrhein-Museum, Koblenz
Hans Dichand, Galerie Würthle, Wien
Dorothea Eimert, Leopold-Hösch-Museum, Düren


Hans Dichand, "MALEN HEISST SICH WEHREN. IMMER EINE ANTWORT AUF ETWAS." HELNWEIN
Galerie Würthle, Wien
15. January 1987 - 28. February 1987
Ausstellungskatalog
Als vor einigen Jahren Gottfried Helnweins Werke im Wiener Pressehaus vorgestellt wurden, protestierte der Betriebsrat. Von keiner Gesellschaft, von keiner Klasse, wird neue Kunst akzeptiert, immer nur von einzelnen. Stets gibt es anfänglich Widerstand, weil es in jeder etablierten Gesellschaft an kultureller Beweglichkeit fehlt, das Neue zu erkennen und akzeptieren. Bei Helnwein, der durch seine Bilder konventionelle Verletzlichkeit in einem ganz besonderen Maße provoziert, war die Ablehnung auch entsprechend extrem. "Blut- und Narbenmaler" nannte man ihn.
Er hat sich dennoch durchgesetzt. Heute ist Gottfried Helnwein weltbekannt und als Künstler entsprechend eingestuft. Die jetzige Ausstellung zeigt, dass er ein Suchender geblieben ist, einer der nach Sturm und Drang Extreme hinter sich gelassen hat, ohne künstlerische Kraft eingebüßt zu haben. Nach wie vor gilt seine Aussage: "Malen ist sich wehren. Immer eine Antwort auf etwas."



29. März 1987 Leopold-Hösch-Museum, Düren Dorothea Eimert



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